Diagnose Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter

 

Diagnose Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter

 

Wer als Erwachsener die Diagnose Asperger-Syndrom bekommt, hat häufig bereits eine wahre Odyssee an Therapien hinter sich und vermutlich auch schon eine ebenso reichhaltige Diagnosestellung. Die vorab häufigsten Diagnosen sind Borderline, schizophrene Persönlichkeitsstörung, manisch-depressiv und ADS oder ADHS. Ich habe Mails von Betroffenen erhalten, die tatsächlich nach und nach das volle Diagnoserepertoire durchgemacht haben, einschließlich der dazugehörigen Therapien und Medikamentation, mit sehr geringen und wenig nachhaltigen Erfolgen.

 Auf die Idee, dass sie das Asperger-Syndrom haben könnten, kommen die meisten erwachsenen Betroffenen, nach langen Hilfesuchenden Reisen durch das Internet, meistens selber. Das erklärt zum Teil auch den statistischen Anstieg der Diagnose. Da fast jeder heutzutage Zugang zum Internet hat, ist der Zugriff auf Informationen deutlich einfacher und effektiver geworden. Der andere Teil der häufigeren Asperger-Syndrom Diagnose lässt sich mit einem erhöhten Interesse der Forschung und dadurch verbreiteter Kenntnisnahme und Bildungsmöglichkeiten der Fachkräfte erklären. Die Diagnose Asperger-Syndrom ist also keineswegs eine Modediagnose, wie teilweise behauptet wird.

 Bedauerlicherweise beschränkt sich das Wissen bei Ärzten, Therapeuten und Psychiatern (gerade außerhalb der Ballungsgebiete) , über das autistische Spektrum aber häufig immer noch auf das Kanner-Syndrom (frühkindlicher Autismus) und das dann auch nur in seiner ausgeprägten augenscheinlichen Form. Ebenso ist das Netz der Diagnostik- und Therapiezentren und der Fachleute selbst in Ballungsgebieten noch so dünn, dass Erwachsenen mit dem Verdacht auf Asperger-Syndrom häufig Wartezeiten von bis zu über einem Jahr in Kauf nehmen müssen.

 Wenn der Verdacht auf Asperger-Syndrom von dem Betroffenen seinem Hausarzt oder Therapeuten gegenüber geäußert wird, stößt der Betroffene in vielen Fällen erst einmal auf Ablehnung. Wer um eine Überweisung zur Diagnostik und Therapie betteln und diskutieren  muss, sollte den Arzt wechseln. Mein Hausarzt gibt offen zu weder Ahnung vom Asperger-Syndrom, noch Verständnis für autistischen Denkweisen zu haben, aber er legt mir auch keine „Steine in den Weg“, sondern stellt mir benötigte Überweisungen umgehend aus. Er akzeptiert die Diagnose und respektiert mich als Mensch und das ist durchaus ausreichend und hilfreich.

 Für die meisten Betroffenen ist die Diagnose Asperger-Syndrom eher eine Erleichterung als eine Belastung. Da sie in den meisten Fällen selber auf die Idee gekommen sind, dass Asperger-Syndrom zu haben, sind sie bereits vor der Diagnosestellung umfassend informiert und sehen in der Diagnose die Chance, ihr Leben entsprechend ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten zu führen, Defizite zu erkennen und daran zu arbeiten. Information und Aufklärung des sozialen Umfeldes ermöglicht zudem den Aufbau eines Hilfenetzes und eröffnet Möglichkeiten des besseren gegenseitigen Verständnisses.

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