ich

 

Möglichkeiten

 Ich habe für mich einige Möglichkeiten gefunden, als Aspie ein freundliches Leben, in dieser, manchmal sehr fremden und feindlichen Umwelt zu führen. Vor allem habe ich mir eines klargemacht:

ICH BIN FÜR DIE ANDEREN GENAUSO MERKWÜRDIG; WIE SIE FÜR MICH.

Umgekehrt sollte sich das vielleicht auch jeder Nicht autistische Mensch klarmachen. Wir finden euch ziemlich merkwürdig. Ihr führt Gespräche die oft nur aus, für uns hohlen Worten und Sätzen bestehen. Sie sollen dazu dienen Kontakt auf zu nehmen und etwas über den anderen zu erfahren. Die Frage:"Wie geht es dir?" will selten wirklich wahrheitsgemäß beantwortet werden. Eure Gespräche bestehen oft nur aus dem Austausch von nicht wahrheitsgemäßen Höflichkeitsfloskeln. Ich habe sehr lange und gründlich darüber nachgedacht, warum das so ist - und ganz ehrlich - ich bin zu keinem vernünftigen Ergebnis gekommen. Unterhaltungen dieser Art sind für mich vollkommen überflüssig......ach so und wie das Wetter ist,kann ich eigenständig erkennen auch darüber muss ich keine Unterhaltung führen. Soviel erstmal zu den Merkwürdigkeiten, weil ich mich hier ja mit dem Thema "Möglichkeiten" beschäftigen will. Aus den gegenseitigen Empfinden der Merkwürdigkeit, lässt sich allerdings sehr gut die erste Möglichkeit herauskristallisieren.

TOLERANZ (und zwar bitte gegenseitig) Wir können nur miteinander klarkommen wenn wir unsere Merkwürdigkeiten tolerieren und ein bisschen versuchen aufeinander einzugehen. Ich werde es nie lernen mich so schön doppeldeutig(manchmal schafft ihr es auch auf Dreideutigkeit) auszudrücken wie ihr, da kann ich mich noch so sehr bemühen, ich komme da einfach nicht hinter,zumal ihr ja auch noch sehr viel über die Körpersprache ausdrückt. Aber ich kann mich durchaus bemühen euch zuzuhören wenn ihr über das Wetter reden möchtet. (und ihr habt GLück...das Wetter gehört nicht gerade zu meinen Interessen, lange Vorträge darüber bleiben euch also erspart).

MANCHMAL MUSS ICH ALLEINE SEIN......diese Erkenntnis war für mich sehr wichtig. Es ist nicht einfach nur Verschrobenheit oder etwas in der Art, sondern existenziell notwendig. Das zu akzeptieren fiel mir etwas schwer, ich liebe doch meine Familie und meine Freunde, wie kann es da sein,dass ich alleine sein muss, das gehört sich nicht. Ich bin relativ schnell mit sozialen Kontakten jeglicher Art überfordert. Mit einigen Menschen kann ich das Zusammensein deutlich besser ertragen, als mit anderen und ich brauche hinterher weniger Alleinesein. Seit ich das Akzeptiert habe und mir die nötigen Auszeiten auch bewusst nehme, geht es mir viel besser und ich fühle mich nicht ständig überfordert, dass heißt für meine Lieben aber auch, dass Alleinesein wollen und müssen meinerseits, nicht auf sich persönlich zu beziehen oder gar meine Zuneigung zu ihnen in Zweifel zu ziehen.

ICH MACHE MIR JEDEN TAG EINEN FESTEN PLAN...das ist sehr wichtig, ich erledige Dinge sonst einfach nicht, weil ich z. B. gerade damit beschäftigt bin diesen Artikel zu schreiben, zu zeichnen oder zu lesen. Bei Tätigkeiten die ich sehr gerne mache, finde ich keinen Zeitrahmen und vor allem kein Ende, da kann es durchaus passieren, dass der Tag damit vergeht ein Buch kommplett durchzulesen ( und der Ärmste der es dann wagt mich anzusprechen und an andere Dinge zu erinnern). Der Tagesplan ist also sehr wichtig, weil ich sonst spätestens nach drei Tagen ein konfuser Haufen bin, der im Chaos der nicht erledigten Dinge versinkt.

ICH MUSS REDEN......denn auch Nichtautisten sind keine Hellseher (wir haben also doch was gemeinsam). Es ist schwierig für andere zu verstehen wie ich bin, wenn ich nicht darüber rede, wie ich denke und fühle, also lerne ich zu reden (und stelle erstaunt fest,es funktioniert immer besser) Ich versuche nicht mehr die Anstrengung eine Fassade der Normalität aufrecht zu erhalten, sondern so zu sein wie ich bin (zumindest bei Menschen mit denen ich regelmäßig zu tun habe) und ich erfahre unerwarteterweise viel Toleranz (übrigens sortieren sich falsche Freunde auf diese Art auch sehr schnell aus). Dadurch dass ich mich nicht mehr so angestrengt bemühe eine Fassade aufrecht zu erhalten, geht es mir deutlich besser und ich kann die Energie die ich dafür gebraucht habe, auf sehr viel sinnvollere Dinge verwenden.

GANZ BESONDERS WICHTIG SIND GUTE FREUNDE...ich habe mein Leben lange mit gar keinen oder falschen Freunden verbracht, heute weiß ich was richtige Freunde sind und was es heißt jemanden wirklich zu vertrauen. Die Erfahrung wirkliche Freunde zu haben hat mein Leben sehr freundlich gemacht und gibt mir Kraft auch mal schlechte Tage durchzustehen. Der Unterschied von guten Freunden und Familie liegt klar auf der Hand (wobei meine Familie ebenso wichtig ist): Meine Freunde erwarten logischerweise nicht, dass ich Familienleben manage, Termine regel, Hausaufgaben durchsetze und immer eine passende Antwort auf Fragen habe. Familie ist manchmal sehr anstrengend und gelegentlich auch für die schlechten Tage verantwortlich.


Nach oben


nPage.de-Seiten: aryansingh.npage.de | Mein Buch lesen - rolli0341.de