Der Mensch, das unbekannte Wesen

 

Der NT-Mensch, das unbekannte Wesen

Aspies sind rar in dieser Welt. Der überwiegende Teil der Bevölkerung besteht aus sonderbaren Wesen, die auch als NEUROTYPISCH bezeichnet werden. Neurotypische Wesen bestehen überwiegend aus Unverständlichkeiten (obwohl ich einige wenige kennengelernt habe, die ich einigermaßen begreifen kann). Eine Besonderheit bei den neurotapischen Menschen ist der Einsatz der Sprache. Sie verfügen nicht nur über die bekannte verbale Ausdrucksweise, sondern benutzen gleichzeitig auch eine nonverbale Ausdrucksweise. Das bedeutet, dass sie oft viel mehr meinen als sie sagen, ziemlich oft meinen sie sogar etwas ganz anderes. Ein Beispiel:

Aspie: "Schatz, was sollen wir zum Abendbrot essen?

NT-Schatz hat keine Lust darüber nachzudenken und sagt: "Ich muss nicht unbedingt etwas haben"

Aspie denkt sich: "Okay, Schatz hat keinen Hunger" und geht zufrieden seiner angefangenen Tätigkeit weiter nach.

NT-Schatz ist ratlos und denkt: "Wieso gibt es jetzt nichts zu essen? Ich habe einen Bärenhunger und es ist mir völlig egal was auf den Tisch kommt."

Aspie denkt: "Merkwürdig, warum ist Schatz denn auf einmal so mürrisch."

Im besten Fall fragt Aspie nun nochmal nach und Schatz gibt klare Antwort, im schlimmsten Fall bahnt sich gleich ein Streit an, dessen Ursache Aspie nicht versteht, und dessen Folge sein wird, dass Schatz den Abend hungrig verbringt.

 

Die nonverbale Sprache besteht aus der Körperhaltung, aus der Gestik und aus der Mimik. Wenn man einen neurotypischen Menschen fragt wie es ihm geht und er antwortet mit gut, ist das doch eigentlich eine klare Sache. Pustekuchen.....garnichts ist daran klar, es kommt hier nämlich nicht nur auf die  verbale Aussage "gut"an, die ist in diesem Fall garnicht relevant. Wenn dem NT-Menschen dabei  Tränen in den Augen schwimmen, kann selbst ich mir mittlerweile denken das er vermutlich lügt oder gerade Zwiebeln geschnitten hat. Wenn er aber nur trübe guckt, wird mir das ebenso vermutlich entgehen, auch dass er vielleicht mit hängenden Schultern da steht. Das Wort "gut" hat also verschiedene Bedeutungen. Wenn ich dieses Wort auf eine Frage benutze, meine ich entweder das es mir wirklich gut geht oder ich belüge mein Gegenüber, weil ich es nicht beunruhigen möchte (leider lüge ich so schlecht, dass es dann erst recht beunruhigt ist). Der NT- Mensch erwartet in den meisten Fällen aber, dass sein Gegenüber sehr wohl erkennt wie es ihm geht und dann entweder nachfragt, oder-je nach Beziehung- ihn in Ruhe lässt. Das Wort "gut" kann also je nach nonverbaler Sprache folgende Aussagen beinhalten:

GUT = mir geht es wirklich gut.

GUT = es läuft nicht ganz so wie ich es mir vorstelle,aber ich kann mich nicht beklagen.

GUT = mir geht es echt Scheiße, lass mich einfach in Ruhe.

GUT = mir geht es echt Scheiße, ich brauch jemanden zum reden.

Eine wirklich beachtliche Aussagevielfalt für so ein kleines Wort. Wenn diese Fähigkeit des NT-Menschen den Umgang mit ihm nicht so furchtbar verkomplizitieren würde, hätte er dafür meine volle Bewunderung.

 

 

Wie man auf diesen Bilder unschwer erkennen kann, verfügt der NT-Mensch über eine vielzahl, sowohl positiver als auch negativer Ausdrucksformen seiner Emotionen, die es zu erkennen und im Umgang mit ihm, richtig einzuschätzen gilt. Das ist eine sehr komplexe Aufgabe, die einen längeren Lernprozess erfordert. Alleine für das gute Gefühl gibt es zwanzig verschiedene Möglichkeiten, die es an der Gestik und der Körperhaltung zu unterscheiden und zu lernen gilt.
Auch für die negativen Gefühle gibt es zahlreiche Ausdrucksnuancen, die wir unterscheiden, einschätzen und interpretieren  müssen. Der Umgang mit dem NT- Menschen ist also wahrhaftig nicht einfach. Bei den negativen Gefühlen sind es sogar einundzwanzig verschiedene Formen, die wir unterscheiden müssen.

 

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