Beispielhaft

Autismus als Chance

 

Diesen Bericht bekam ich am 24.Januar 2009 von Frank zugesendet. Eine wirklich Beispielhafte Idee!

 

 

Gefangen in der eigenen Welt
Autisten sind hochbegabt und zwanghaft

Menschen ZDF.de

Die Fähigkeiten sich in andere hineinzuversetzen, Gestik und Mimik zu deuten oder körperliche Nähe zuzulassen sind für viele autistische Menschen fast unmöglich. Autisten haben keinen Filter für Geräusche, Gerüche, Lichtreflexe und können diese Reize nicht ausschalten. Alles strömt gleichzeitig und ungehindert auf sie ein.


Die Störungen der Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung führen dazu, dass autistische Menschen einen Großteil innerer und äußerer Reize nicht verstehen oder verarbeiten können, besonders sehr komplexe Informationen. Das führt dazu, dass sie sich in ihre eigene Welt zurückziehen. Die kleinste Veränderung kann sie völlig aus der Bahn werfen und zu heftigen Reaktionen, bis hin zur Selbstverletzung, führen.

Die 26-jährige Verena hat das Asperger Syndrom, eine besondere Form des Autismus. Trotz dieser Einschränkung hat sie den Realschulabschluss und eine Ausbildung zur Bürokraft gemacht. Jeder Tag ist durchgeplant: Vormittags arbeitet sie als Bürogehilfin, an jedem Nachmittag der Woche ist eine andere Aktivität wie Tanzgruppe oder Englischkurs eingeplant. Verenas Begabungen liegen im sprachlichen Bereich: Sie beherrscht zu 95 Prozent die deutsche Rechtschreibung und ist auch im Englischen und Französischen sehr gewandt.

Feste Strukturen sind wichtig
Sie sammelt leidenschaftlich Parfüms. Jedes hat seinen festen Platz und ist in Kisten akkurat einsortiert. Niemand außer ihr darf die Flaschen berühren oder entfernen. Eines liebt sie ganz besonders und sprüht es alle 14 Tage sonntags auf. Alles muss sich wiederholen, selbst aus einer spontanen Unternehmung versucht sie sofort ein Ritual zu machen.

Verlässliche Zeiten und feste Strukturen bestimmen ihr Leben. Sie ordnen den Tag und geben ihr Halt und Sicherheit. Dabei hilft auch eine Assistenz, ein Vermittler zwischen ihr und der Außenwelt. Er holt sie aus ihrer eigenen Welt heraus, begleitet sie zu ihren Aktivitäten, übt mit ihr beispielsweise den täglichen Weg zur Arbeit oder schützt sie auch vor zu vielen Außenreizen. Angemessene soziale Verhaltensweisen muss Verena auch immer wieder im Sozialkompetenztraining üben.

Autismus ist eine Begabung
Thorkil Sonne hat das besondere Potenzial von Autisten erkannt und nutzt es. Er gründete die Firma "Specialisterne" in Hoje Taastru, einem Vorort der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Das kleine Beratungsunternehmen beschäftigt autistische Menschen und fördert ihre individuellen Begabungen
- und dies auch noch zu marktüblichen Löhnen.

Auslöser für seine Geschäftsidee war die Erkrankung seines siebenjährigen Sohnes Lars. Mit der Diagnose Autismus begann die Sorge um die Zukunft seines Kindes. Denn zunächst war die Angst vorherrschend, er könne wohl nie ein eigenständiges Leben führen oder arbeiten. Als Lars jedoch die Seitenübersicht eines Europa-Atlass fehlerfrei aus dem Kopf zu Papier brachte, wusste Thorkil Sonne, dass Autismus nicht nur eine Behinderung ist, sondern auch eine Begabung sein kann.

Flexible Arbeitszeiten
Bei "
SPECIALSTERNE" werden die Bedürfnisse der autistischen Angestellten in den Fordergrund gestellt: Einzelbüros, wenig Stress, klare Aufgaben und flexible Arbeitszeiten. Unter diesen Bedingungen können sie ihr hohes Leistungspotenzial voll ausschöpfen. Sie können sich stundenlang konzentriert mit einer Sache beschäftigen, sind sehr präzise und darauf bedacht, ihre Arbeit fehlerfrei zu erledigen. Sie haben ein überaus gutes Gedächtnis und sind sprachlich begabt.

Inzwischen beschäftigt das Unternehmen 36 Angestellte, und davon sind 28 Autisten. Sie testen Software, suchen auf Stadtplänen nach Telekommunikationsleitungen oder bearbeiten Datenbanken. Jeder Mitarbeiter kann seine Arbeitszeit so einteilen, dass er sich nicht überfordert fühlt. In der Firma ist auch ein Therapeut beschäftigt, der jederzeit von den Angestellten angesprochen werden kann.

Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt
Auch im deutschsprachigen Raum gibt es Unternehmen, die vorzugsweise Menschen mit Autismus beziehungsweise Menschen mit dem Asperger-Syndrom beschäftigen, so wie das Schweizer Unternehmen Asperger Informatik AG in Zürich. Dessen Gründerin Susan Conza, ist selbst vom Asperger-Syndrom betroffen. Sie ist Wirtschaftsinformatikerin und arbeitet seit über zwölf Jahren in der Informatik.

Nun möchte sie Ihre Erfahrungen und Kenntnisse in der Internet-Branche, im Unternehmensaufbau, der Geschäftsleitung und im Umgang mit autistischen Menschen miteinander verbinden. Grundimpuls zur Unternehmensgründung war die Tatsache, dass die heutige Arbeitswelt hohe Anforderungen in den Bereichen soziale Interaktion, Stresstoleranz und Anpassungsfähigkeit stellt. Die Folge ist, dass Menschen mit dem Asperger-Syndrom trotz ihren besonderen Fähigkeiten grosse Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden und diesen zu behalten. Denn Autisten tun sich häufig schwer mit der alltäglichen Kommunikation oder den Regeln des sozialen Verhaltens.

Ideale Voraussetzungen
Ziel ist es also, die Talente von Autisten zu fördern und Dienstleistungen anzubieten, welche ein tiefes Spezialwissen, analytisches Denken und Präzision verlangen. Die speziellen Fähigkeiten und besonderen Begabungen, über die Autisten verfügen, sind gerade in unserem von Technologie geprägten Informationszeitalter oft die idealen Voraussetzungen für entsprechende Berufe. Die Erfahrungen in Dänemark und in der Schweiz zeigen, dass die Beschäftigung eines Mitarbeiters mit Autismus aufgrund seiner speziellen Fähigkeiten für jedes Unternehmen ein Vorteil sein kann. Denn Autisten sind hochbegabt, lernfähig, detailgenau und haben einen Sinn für Zahlen.

 

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